Pokémon – Kult oder Kinderei?

Es begann mit einer kleinen pixeligen Figur, die 1996 erstmals über den damals noch sehr beschränkten Gameboy-Bildschirm huschte: Ash Ketchum auf dem Weg in ein großes Abenteuer. 
„Pokémon“ ist der Name des Spiels, das nach und nach seinen Kultstatus ausbauen konnte. Am 12. Oktober 2013 sind nun die neuen Editionen X und Y erschienen, Nr. 15 und 16 der Serie. Design und Grafik sind gereift, die Anzahl an fangbaren Pokémon stetig gestiegen. Doch wer sind die Spieler, die all das unterstützen?

Auch Nicht-Kennern ist das Spielsystem schnell zu erklären. Als Figur bewegt man sich durch die Pokémonwelt, in der überall kleine Monster auf einen warten. Einige sind selten und existieren nur einmal, andere glitzern und gelten als Sammlerstücke, wieder andere gibt es wie Sand am Meer. Man beginnt klassisch mit einem sogenannten Starter und hat danach die Möglichkeiten, es und neue Fänge zu trainieren, leidenschaftlich Exemplare zu sammeln oder hart zu kämpfen. Die Pokémon wachsen mit besiegten Gegnern, sammeln Erfahrungspunkte und werden stärker. Wer alle Orden in den Arenen gewonnen hat, kann die Liga mit den Top 4 bestreiten und Pokémon-Champ werden.
Diese Beschreibung klingt nicht sonderlich kindisch, dennoch gibt es Vorurteile. Denn wie bei der Anime-Serie, in der der 12jährige Ash die Hauptrolle besetzt, wird die Spiele-Reihe oft mit Kindern des gleichen Alters in Verbindung gesetzt. Die meisten lernten die japanischen Wesen als Kinder kennen.
Dass genau diese Erinnerung eine Besonderheit im Erwachsenenleben sein kann, erscheint daher erst einmal seltsam.
Für die, die dennoch zu diesem Hobby stehen, bietet das Internet seit einigen Jahren eine ausgedehnte Austauschmöglichkeit. Die Plattform Bisaboard

Denn das Kinderspiel ist gar nicht so kindlich. Es gibt keine Gewalt und auch Verbrecher wie das altbekannte Team Rocket besteht mit Absicht aus lustigen Gesellen, dennoch sind es vor allem Taktik und Ehrgeiz, die auch ältere Semester begeistern. Zwar begann fast jeder als Kind, die Faszination bleibt aber bis heute.
Die Internetplattform Bisaboard ist unter Spielern eine beliebte und vielgenutzte Austauschmöglichkeit. Durch Moderatoren gelenkt können sich Fans hier unterhalten, zum gemeinsamen Spielerlebnis verabreden oder oder oder. Gerade hier interagieren die Erfahreneren.

Einer von Ihnen ist Lalain. Die 23-jährige ist im wahren Leben Informatik-Studentin, was ihr auch für Pokemon nützlich ist. Viele Möglichkeiten um an seltene Pokemon heranzukommen, lassen sich unglaublich vereinfachen, besitzt man nur die richtigen Mittel. So lassen sich viele Dienstleistungen anbieten und, oft zu guten Konditionen, erfüllen.
Lalain war eine der ersten, die das erste Pokemonspiel in Händen hielt – auf Diskette. Der Vater einer Freundin gab sie den beiden 1998/1999 zum Spielen. „Mir gefiel vor allem das Levelsystem, gefolgt von dem Erscheinungsbild der Monster und der Story, damals von der blauen Edition.“ Vielleicht lag es daran, dass der Hype bei vielen anderen erst später einsetzte, auf jeden Fall kam es zwischendurch zu einem Spielstop. „Den Neustart habe ich dann im Winter 2012 gewagt und mir gleich eine Sammlung angelegt.“ 11 Spiele umfasst diese zur Zeit. Einige Exemplare gibt es doppelt, andere aus anderen Ländern importiert. Ob es seltsam sei, diese Spiele auch mit über 20 noch zu spielen, verneint sie direkt. „Die neuen Features machen es immer besser und durch die beeindruckende Organisation und Interaktion in Foren gibt es einen ganz neuen Reiz. Zudem eröffnet mir meine Erfahrung neue Möglichkeiten. Ich verstehe den Aufbau des Spiels aus rein logischer Sicht in Zahlen / Befehlen, wodurch ich nun über der Software stehe und nicht umgekehrt. Produktives Spielen hilft nicht nur mir, sondern bringt Spaß beim Teilen.“ So sei es in ihrer Umgebung sogar IN, Pokemontrainer zu sein. Ihre Freunde spielen, genauso wie Teile der Familie. Dass die Reihe irgendwann interessant werden könnte, glaubt sie nicht. „Dann würde ich eben Retro bleiben.“ Die Editionen X und Y wurden freudig erwartet.

Genauso ging es ChibiRemi, 21 Jahre alt und Buchbinderin. „Ich freute mich wie blöde darauf. Ich meine, es gibt neue Pokémon, eine neue Region, eine tolle Grafik, wer würde sich da nicht freuen? Ich hoffe auf eine Menge Spielspaß!“ Sie begann im Jahr 2000 mit dem aktiven Spielen, verfolgte ein Jahr zuvor aber auch schon den Anime. „Ich war schon als kleines Kind immer ein großer Tierfreund und konnte mich für alle Arten von Kreaturen begeistern, deswegen hat mich Pokémon wohl auch so mitgerissen. Das Fangen von „Monstern“ und das Kämpfen und Sammeln fand ich einfach toll.“ Da in der Klasse fast alle mitmachten, gab es kaum Entkommen. Die ursprünglich 20 Spieler wurden immer weniger, heute sind es noch 3, zu denen Chibi Kontakt hat, exklusive der Internet-Bekanntschaften. Diese machen das heutige Spielerlebnis für sie umso größer. Doch auch Chili brauchte zwischendurch eine kleine Pause. Das müsste so ein halbes Jahr vor dem Release von Heartgold und Soulsilver gewesen sein. Ich habe alles verkauft, bis auf meine Platin Edition. Ich dachte mir, dass das vielleicht etwas kindisch ist und sich meine Klassenkameraden darüber lustig machen könnten, wenn die davon Wind bekommen. Aber als HG/SS erschienen wollte ich unbedingt sehen, was die so aus meiner geliebten Gen. 2 gemacht haben, da bin ich einfach schwach geworden.“ Sinn, anderen das Spiel näherzubringen, sieht sie nicht. „Ich habe es selbst meistens verheimlicht, damit keiner komische Fragen stellt. Ich kenne niemanden, der sich darauf einlassen würde.“ Dennoch besitzt sie insgesamt 6 Spiele. „17 habe ich im Laufe der Jahre dummerweise verschenkt oder verkauft. Heute ärgere ich mich darüber.“

Eine geschlechtsspezifische Einteilung gibt es nicht: In den Foren des Bisaboards sind männliche und weibliche Mitglieder gleichermaßen vertreten.
Natural Harmonie ist Fachoberschüler und 28 Jahre alt. Er ist der älteste in der Runde und beschreibt sich selbst als leidenschaftlicher Sammler. Dies gilt nicht nur für Pokémon, sondern auch für die Editionen. 38 (!) Spiele nennt er sein eigen, einige sind sogar 3fach vorhanden. „1999 ist das Fieber überall ausgebrochen und hat auch mich gepackt. Ich war schon immer ein Fan von rundenbasierten Rollenspielen, außerdem sprachen mich die Pokemon aus der Serie an. In meiner Familie haben sogar noch mehr Leute gespielt, als unter meinen Freunden.“ Doch ein Spielstop blieb auch hier unabdingbar. 6 Jahre dauerte er und wurde durch den portablen Nintendo DS beendet. „Da ich nur wenig Zeit Zuhause hatte, holte ich mir einen Nintendo DS um unterwegs spielen zu können mit der relativ neuen Schwarzen Edition. Seitdem bin ich wieder dabei.“ Negative Erfahrungen gibt es auch bei einem „Outing“ nicht zu berichten. Eher steht Erstaunen an der Tagesordnung, wenn er zB einen Klassenkameraden, der bei ToysRUs arbeitet, fragt, ob sie in ihrem Store denn auch an der Verteilungsaktion teilnehmen würden. „Die meisten sind zwischen 18 und 23 und haben selbst gespielt.“ Auch hier war die Vorfreude vor den neuen Spielen besonders groß. „Ich freue mich schon sehr besonders die Grafik gefällt mir endlich in 3D und schönere Kämpfe. Mir gefallen auch bisher alle bekannten neuen Pokemon besonders der Hüter des Waldes und das neue Mewtu ähnliche Pokemon.“

Ebenfalls im Forum aktiv ist Flame13. Die 21jährige begann mit 7 oder 8 Jahren durch einen Schulfreund und spielt, nach 5 Jahren Pause, seit der Schwarzen Edition weiter. „Es macht einfach Spass und ich finde das Level-Up und Save System einfach klasse. Ich kann es nicht ausstehen, immer wieder von vorne beginnen zu müssen.“ Vor allem der Childhood-Faktor verhalf ihr zu 6 verschiedenen Editionen. Die ihrer Lieblingsstoryline, Schwarz und Weiß, hat sie daher sogar beide. Das gleiche erwartete die kaufmännische Angestellte von X und Y. „Besonders gespannt bin ich von den neuen Startern, da mir die endlich wieder richtig gut gefallen, und natürlich der neuen 3D-Welt, die in Europa spielen soll. Ich erwarte eine etwas erwachsenere Story als noch in W/B2, da das Thema vermutlich etwas mit Genetik zu tun hat und somit etwas wissenschaftlicher aufgebaut sein werden müsste.“

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