Maskiert zum Erfolg: Die Kuriositäten von Rocket und Wink

„Eine Maske erzählt uns mehr als ein Gesicht“, das wusste schon Schriftsteller Oscar Wilde. Seit dem 6. September zeigt das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe eine Ausstellung, die wie geschaffen für dieses Zitat zu sein scheint. „Whatever. The Art of Rocket & Wink“ präsentiert verschiedene Dimensionen der modernen Designindustrie in vielfältiger Individualität, die ihresgleichen sucht.

Der Gang in dem die Ausstellung stattfindet ist nicht besonders lang und doch erstreckt sich vor einem eine ungeahnte Bandbreite an Werken: Rocket und Wink geben sich die Ehre. Und das sogar in doppeltem Sinne. Wer die beiden Designer wirklich sind, weiß niemand. Sie zelebrieren ihre Unbekanntheit, indem sie in ihren eigenen Kreationen auftauchen: Verkleidet mit Motorradhelm und einem Jutesack. Daher ist auch eine sich selbst gewidmete Fotostrecke als Vorstellung der Unantastbaren nicht überraschend.
Ein gut inszeniertes Spiel mit der Neugier der Betrachter. Durch dieses erhalten auch ihre in freier Arbeit erstandenen Zeitschriften eine ganz persönliche Note. Sechs Teile der Whatever-Reihe sind bisher entstanden. Das Team hat dabei durchaus System. Ein Titel eröffnet eine Idee, die konsequent verfolgt und vielseitig umgesetzt wird. So zeigen sich im zweiten Band „Plays“ Neuerungen von Bestehendem, indem zum Beispiel eine komplette Serie an Nike-Schuhen im Stil verschiedener Superhelden und ihrer Antagonisten designt wird. Im vierten Teil „In Black“ verzichten R&W mottogerecht auf sonst heißgeliebte knallige Farben und rücken sich selbst als Motive in den Fokus, während Teil Fünf, „About the Collaboration“, in die Vergangenheit schwenkt und zeigt, dass auch in die Jahre gekommenes aufgepeppelt werden kann. Zum Beispiel indem sie alten Fotos durch Designerhand einen neuen Sinn und eine neue Aufmachung verpassen.

Diese persönliche Beziehung zu den Werken spiegelt sich noch in einem weiteren Punkt wieder. Die zwei Maskierten entwarfen zum Beispiel eine Reihe von Bandplakaten, indem sie die wichtigsten Daten eines Auftritts auf Siebdruckposter bannten, natürlich auf ihre eigene Weise. So erhielt die britische, eher melancholisch anmutende Band „Thirteen Senses“ für ihren Auftritt im Molotow am zweiten Mai ein fröhliches rosa Monster mit dreizehn Augen als Wappentier, kontrastreich vor gelbem Hintergrund drapiert.
Die Ausstellung beleuchtet zwei Seiten eines Designerlebens. Denn neben der freien Arbeit, in der die beiden sogar ein Buch namens „Leben & Tod“ herausbrachten, gehört bei ihnen vor allem eines dazu: Die Werbebranche. Denn obwohl niemand weiß, wer Rocket und Wink sind, ist das, was sie bisher werbetechnisch geleistet haben, sehr wohl bekannt. Die Plakate für die Reeperbahnfestivals stammen ebenso von ihnen, wie eine ausgedehnte Kampagne der Hamburger Marke „fritz kola“. Weitere Auftraggeber sind Astra, Universal und Warner Music, für die sie unter anderem eine Reihe von stilistisch ausgereiften Seeed-Plakaten erstellten, in denen jedes Bandmitglied mit seinem Instrument verschmiltzt.

Die Ebenen „Freies Schaffen“ und „Auftragsarbeit“ verbinden sich wieder, wenn es um die angewandte Technik geht. Was in den Zeitschriften praktiziert wird, findet auch hier Anwendung: Man spielt gleichermaßen mit Realität und Fiktion. Fotoausschnitte in Schwarz-Weiß treffen auf comichafte Zeichnungen und aussagekräftige Symbole. Und dies ist nur ein Kniff, der Parallelen aufzeigt.
Der Zwang, Moderne auszustrahlen, ist dennoch nicht gegeben. Für „fritz kola“ schufen die Maskenmänner Plakate im Stile von Giuseppe Arcimboldo und seinem Jahreszeiten-Motiv. Durch gezielten Farbeinsatz und malerisches Formenspiel wird so Cola-Werbung zum Kunstwerk.

Verrückte Kunst für den Alltag. Das sind die Kuriositäten von Rocket und Wink.

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