W:O:A 2014. Auf die nächsten 25 – Ein Vierteljahrhundert Wacken

IMG_2792

Alles Gute! Die Metalheads feierten in diesem Jahr Silberhochzeit mit der lauten Seite des kleinen Ortes Wacken in Schleswig-Holstein. Ein freudiges Ereignis voller nostalgischer Momente, aber auch großer Erwartungen. Dementsprechend missmutig wurden Ankündigungen vernommen, die die Vorfreude auf den 25. Geburtstag zu trüben versuchten. Die Bandbestätigungen brachten keine Überraschungen, die Preise waren im Gegensatz zum Vorjahr gestiegen und vor allem die Ticketpersonalisierung sorgte für viel Wirbel. Das im Gegensatz zu anderen Metal-Festivals weniger hochkarätige Line-Up führte im Endeffekt zu einem Preisverfall der Tickets, nach dem außerdem die Frage aufkam: Wie viel Kommerz verträgt der heilige Boden noch? Dass die Dunkelgekleideten trotzdem ausgelassen für Stimmung auf der Geburtstagsfeier sorgten, war selbstverständlich. Ein Rückblick auf drei heiße Wacken-Tage.

Es ist eine Zeit voller Ekstase, guter Musik und langer Nächte: Die Festivalsaison. Ab Juni reihen sich jedes Jahr lautstarke Wochenenden aneinander. Egal ob Regen oder Sonnenschein: Die Fans sind mit ihrer guten Laune dabei. So auch zum 25. Jubiläum des Wacken Open Air vom 31. Juli bis 02. August 2014.
Es waren Bands wie Hammerfall, Steel Panther oder Slayer, die die Bühne zum Leuchten und das Infield zum Bangen brachten. Gemeinsam mit weiteren Klassikern des Genres wie Motörhead oder Children of Bodom sorgten sie für gute Stimmung und erhobene Metalgrüße. Glückliche Besucher wanderten durch das Wackliger Village und über den Metal-Markt, um ihre paar Tage Auszeit vom normalen Leben zu genießen.
Doch trotz strahlendem Sonnenschein bei bestem Wacken-Wetter, stand der 25. Geburtstag des Festivals unter keinem guten Stern.

Die Hitze zwang so manchen Metalhead zur Ruhepause

Die Hitze zwang so manchen Metalhead zur Ruhepause

Erhöhte Preise, die Tickettauschbörse & ein erstaunlich schwaches Line-Up

Der erste Dämpfer erreichte die gewillten Besucher bereits bei dem ersten Schritt ins nächste Wacken-Jahr: Beim Verkaufsstart der Xmas-Tickets. Nach einem weiteren Preisanstieg zahlte man in diesem Jahr 160 Euro, was für die regulären Karten einen stolzen Preis von 180 bedeutete. 2011 lag der Ticketpreis noch bei 130, was im Vergleich zu anderen Festival-Alternativen noch deutlich besser im Rahmen lag.
Zum Glück des Veranstalters wurde aber wie in den vergangenen Jahren, in denen oft Wucherer bei Ebay ihre Tickets anpriesen, von den wenigsten auf den Preis geachtet. Mit einem Ausverkauf von unter 48 Stunden gab es einen neuen Rekord; dieses Mal aber mit gewissen Nebenwirkungen.
Die Tickettauschbörse aus dem Jahr 2013 zeichnete sich vor allem durch eines aus: Eine Flut aus Gejammer und Gefeilsche um die begehrten Karten. Denn die Ticketpersonalisierung, die den unfairen Weiterverkauf abseits der Veranstalter-Augen bannen sollte, erforderte zumindest einen Datentausch. Dieses Prozedere wurde bis zum nächsten Verkauf weiter ausgeführt. Keine Forumsprügeleien mehr, stattdessen eine ewig lange Warteliste, die streng chronologisch geführt wurde, und vor allem eines: Weitere Gebühren für eine Änderung. In Foren kam dies nicht besonders gut an. Verteidigte man gestiegene Eintrittspreise noch durch zunehmenden Entsorgungskosten, die leider durch alte Kühlschränke, Sofas und anderen Sperrmüll rasant steigen, war es hier mit zugedrückten Augen vorbei. Daran, dass es tatsächlich um den Schutz der interessierten Käufer ging, glaubten bei einer Bearbeitungsgebühr von 15 Euro längst nicht alle. Vor allem dadurch, dass die offizielle Tauschbörse recht früh, nämlich am 07.06. geschlossen wurde, offenbarte sich wieder der wahre Kampf, der nun über beispielsweise Facebook-Datenbanken oder klassisch über Ebay fortgeführt wurde. Das Prinzip funktionierte also nicht komplett.

Dennoch konnte im Jahr 2014 kein Wucherer landen. Der Grund dafür war aber nicht etwa die Tauschbörse, sondern das Line-Up. Die bereits erwähnten Namen lassen sich leicht ergänzen, denn an Bekanntheit fehlte es neben Schandmaul, Avantasia und Motörhead nicht. Doch das vorfreudig Erwartete trat nicht ein und führte zu einem Massenverkauf: Nach dem 2013er Aufgebot mit Alice Cooper, Nightwish und Rammstein waren sich viele sicher, dass es für das Jubiläum eine wirkliche Überraschung geben würde. Metallica und AC/DC, später dann Black Sabbath, die immerhin auf Festivaltour unterwegs sind, blieben unerfüllt Wünsche. Im Endeffekt besetzte Megadeth den letzten und lang aufgesparten Platz in der Running Order. Die Thrash Metal Band aus Amerika spielte ebenso wie ihre Mitstreiter souverän auf.

Ein gefülltes Infield sieht anders aus: Nicht alle Bands konnten mit massig Publikum rechnen

Ein gefülltes Infield sieht anders aus: Nicht alle Bands konnten mit massig Publikum rechnen

Bei der Kritik kann es auch kaum um die musikalische Qualität gehen, denn diese war in jedem Fall vorhanden.Viel mehr ist es die Enttäuschung, das Vierteljahrhundert nicht entsprechend zu ehren.
Schadenfreudig äußerten sich Forumsnutzer über all die Festivaltouristen, die nur aufgrund des Vorjahreslineups Karten kauften und damit auf die Nase fielen. Denn statt eingestreuter Höhen präsentierte man dieses Jahr ein breites Mittelfeld. So verkauften sich einzelne Karten teilweise für 35 Euro am Eingang. Ein Fünftel des Realpreises. Doch auch an eingefleischten Genre-Fans ging der Verlauf nicht spurlos vorüber.

Die Frage nach dem Warum

Dass auch diese Entwicklung sicher nicht vom Veranstalter beabsichtigt war, sollte klar sein. Bei so großem Interesse am Event und einer unglaublichen aufwendigen Organisation stellt man sich aber unweigerlich die Frage: Wie kommt es, dass genau entgegen aller Erwartungen gehandelt wurde? Wo war nun der Jubiläums-Headliner? Im Sh:z-Interview vom 27. Juli erfährt diese Frage eine kurze und verwunderliche Antwort. „Ganz einfach, weil die nicht verfügbar sind“, sagte Wacken-Vater Holger Hübner. Er und Mitbegründer Thomas Jensen wissen sich zu verteidigen, denn Kritik ist bei diesem Thema vorprogrammiert. Während das Summerbreeze am kommenden Wochenende mit einem stärkeren Genre-Mix aufwartet, präsentiert sich das französische Hellfest direkt mit drei Giganten: Iron Maiden, Aerosmith und – da hätten wir sie – Black Sabbath. Ein Vergleich, bei dem das W:O:A zumindest 2014 nicht mithalten kann.

Auch die Vorfreude auf das W:O:A 2015 ist groß

Auch die Vorfreude auf das W:O:A 2015 ist groß

Möglicherweise ist es einer Umstrukturierung geschuldet, dass auch kleine Organisations-Fauxpas nicht ausblieben. Während der Crew-Campingplatz weitgehend leer blieb, verlegte man den VIP-Platz weit neben den normalen Campground. Ein einzelner Shuttlebus, der ständig überfüllt war, schlich gemütlich auf einem Weg, der zu Fuß fünf Minuten gedauert hätte. Außerdem fehlte bereits zu Beginn des letzten Tages Eis, das vor allem im Infield den über 75.000 Besuchern bei der Abkühlung geholfen hätte. Und nicht zuletzt geht es auch um die Metal-Mentalität, um die viele Genre-Fans immer mehr besorgt sind. Nicht wenige laufen beeindruckt über den Platz um eifrig schwarzbekleidete Menschen zu fotografieren, die einmal im Jahr auf ihresgleichen treffen und gemeinsam zu harten Klängen feiern. Der erneute Ansturm auf die Tickets für 2015 zeigt, dass die Welle an Interessenten nicht verebbt. Fraglich sind aber die Motive, die neben wahrer Leidenschaft auch in Richtung Dabei-Sein-Wollen tendieren. Um jeden Preis, wie Ebay schon in der Nacht der Vorbestellungen eindrücklich gezeigt hat. Über 200 Euro pro Karte – ein stolzer Preis.

Zeit für kleine Juwelen

Nach so viel negativer Kritik könnte man denken, das W:O:A 2014 wäre kein Erlebnis gewesen. Auch wenn die angesagte Farbe klar ist: Zu schwarz sollte man dennoch nicht sehen. Denn in den drei Tagen gab es nicht nur alte Bekannte wiederzutreffen, sondern auch Neues zu entdecken. Die Großen des Line-Ups zeigten sich sehr klassisch, liegen die Top-Hits bei den meisten doch schon einige Jährchen zurück. Anders sieht es da mit den Metal Battle Teilnehmern aus, die bereits wie gewohnt am Mittwoch den Bullhead Circus bevölkerten. Kleinere Bands zeigten sich bei ihren ersten Auftritten und konnten das Publikum mitreißen – Newcomer, von denen man in Zukunft sicher noch einiges hören wird. Und schließlich sind da ja auch die vielen Festival-Momente, die für jeden Besucher seine ganz persönliche Auszeit von der Normalität besonders machen.

Der Barbarenspieß: Ein alter Bekannter im Wackliger Village

Der Barbarenspieß: Ein alter Bekannter im Wackliger Village

Die Hamburger Band Neopera spielte im gut besuchten BullheadCity

Die Hamburger Band Neopera spielte im gut besuchten BullheadCityCircus ihr zweites Live-Konzert

 

Der neue 12-Stunden-Rekord verheißt, Motiv hin oder her, ein reich besuchtes und dadurch stimmungsvolles Folgejahr. Auch im nächsten Jahr wird die schwarze Welle wieder in Schleswig-Holstein anrollen. Bis dahin bleibt genug Zeit, Fehler auszumerzen und den Vorfreudigen mit vielen Bandankündigungen die verdienten Überraschungen zu bieten.

Ein Hoch auf das nächste Wacken-Jahr

Ein Hoch auf das nächste Wacken-Jahr

Auch die Technik fuhr im Jahr 2014 einiges auf: Ein buntes Lichtermeer der Stages. Ob es jedem unbedingt gefiel, bleibt fraglich. Sicher wird uns diesbezüglich 2015 eine weitere Überraschung erwarten.

Das ganze Interview mit Holger Hübner und Thomas Jensen gibt es auf http://www.shz.de/lokales/norddeutsche-rundschau/wir-sind-noch-immer-die-jungs-vom-dorf-id7246431.html

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s