Die fantastische Welt von Oz

Magie und Taschenspielertricks – Willkommen in Oz

Lyman Frank Baums Erbe ist groß: Nach den Verfilmungen aus den Jahren 1939 und 1985 und vielen anderen Projekten, ist nun ein weiterer Film in die Kinos gekommen, der die Geschichte des Zauberers von Oz erzählt. Doch die „Fantastische Welt von Oz“ ist zumindest inhaltlich nicht mit den Vorgängern zu vergleichen. Denn er erzählt nicht von Dorothy und ihren Begleitern, dem Hund Toto, der Vogelscheuche, dem Blechmann und dem Löwen, sondern von Oscar Diggs, auch Oz genannt, der durch einen Wirbelsturm in die wundersame Welt gelangt.

Wer ist wer? Das ist die erste Frage, die sich Oz-Kenner mit dem Erscheinen der Cast-Namen stellen. Drei bekannte Schauspielerinnen, drei Hexen. Aber wer ist gut und wer ist böse?
Von Anfang an begleitet dieses Thema den Zuschauer. Oscar Diggs selbst ist zumindest kein Mann mit weißer Weste. In der normalen Welt vermag er sein Glück, seine große Liebe, nicht zu ergreifen, da er nach Größe strebt, wie er selbst sagt, und lieber Taschenspielertricks nachgeht. Als er dann von einem Wirbelsturms nach Oz geweht wird und dort zufällig eine Prophezeiung erfüllt, bekommt er die Chance dazu. Für das Volk, das hofft, durch ihn von der bösen Hexe befreit zu werden, wird er zum Zauberer von Oz. Ruhm und Reichtum winken, weshalb der frühere Jahrmarktstrickser natürlich nicht ablehnen kann.
Was Oscar jedoch nicht weiß, ist, dass er nicht der einzige Schummler ist. Erst nach und nach offenbaren sich Gut und Böse, sodass am Ende klar wird, wer welches Spiel spielt.

Was bei diesem Film auf keinen Fall zu unterschätzen ist, ist der Cast. Wenn auf einmal so viele bekannte Namen auftauchen, kommt manchmal das Gefühl auf, man müsse damit eine unausgereifte Story ausgleichen. Dies ist hier nicht der Fall.
Michelle Williams, Rachel Weisz und Mila Kunis verkörpern die drei Hexen und passen dabei sehr gut zu den ihnen zugewiesenen Charakteren. Auch Hauptdarsteller James Franco, bekannt als Harry Osborn aus der Spider-Man-Reihe, scheint Spaß daran gehabt zu haben, einen tricksenden Betrüger zu mimen. Eine besondere Überraschung ist Scrubs-Star Zach Braff. Er triumphiert in seiner Doppelrolle als Assistent Frank und Affe Finlay, indem er die Elemente einbringen kann, die an seinen Erfolgs-Charakter J.D. erinnern und ihn so beliebt machten.
Natürlich wurde „Die fantastische Welt von Oz“ als 3D-Film produziert. Fantasie-Welten bieten sich an, um den Hype um die technische Neuerung zu speisen. Dennoch scheinen noch nicht alle Probleme behoben; zumindest mit schnellen Bildfolgen gibt es noch Schwierigkeiten und auch der Farbabgleich leidet unter den dunklen Brillen. So könnte es sich lohnen, das Spektakel noch einmal „normal“ anzusehen, wenn die DVD erscheint.
Dennoch machte es einige Effekte auch durchaus sehenswert. Der finale Kampf, den Oscar austragen muss, wird mit den Mitteln bestritten, die er aus seiner Welt kennt. Zugegeben: Feuerwerk und riesige Rauchgebilde passen schon recht gut zu 3D.

Inhaltlich gesehen hätte die Geschichte viele Wendungen nehmen können; manche Szenen wirken daher fast, als könnten sie ihr Potential nicht richtig ausschöpfen. Was man dabei jedoch nicht vergessen darf, ist die Alterbeschränkung: In Deutschland ist der Film ab 6 freigegeben, wodurch wirklich geniale Ideen wie der in Form von brennenden Tränen dargestellte Liebesschmerz nicht so ausgebaut werden können, wie Sam Raimi es durchaus schaffen würde. Filme wie „The Possession“ oder das im Mai erscheinende Remake von „Evil Dead“ zeigen es. Obwohl einiges dadurch eher schwach wirkt, eben am jungen Zuschauer orientiert, hat er alles in allem hat eine lebendige Traumwelt geschaffen, die mit ihrer Mischung aus Spaß, Abenteuer und liebevoller Charaktere besonders für Familien geeignet ist.

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