Der Reiz des Virtuellen – Die Internetsucht breitet sich aus

Der Reiz des Virtuellen – Die Internetsucht breitet sich aus

Hamburg, 27.09.11 – 560.000 Deutsche zwischen 14 und 64 Jahren sind internet-süchtig. Dies ergab PINTA I („Prävalenz der Internetabhängigkeit“), eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Studie. Damit ist die Internetsucht zahlenmäßig schon an die der Cannabis-Abhängigen herangekommen.
Um zu Ergebnissen zu gelangen, wurden 15.023 Personen im besagten Alter telefonisch zu ihrem Internetnutzungsverhalten befragt. Ziel war es, zu einer einheitlichen Definition der Abhängigkeit zu gelangen, unter anderem, um Anzeichen früher zu erkennen.
Denn Risiken gibt es einige: Sie reichen vom Verlieren des Zeitgefühls bis zu sozialer Isolation und körperlicher Verwahrlo-sung.
Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, legte auf der Presse-konferenz besonderen Wert auf die Behandlung Betroffener. „Ich werde mich der Frage widmen, wie die Behandlung von Computerspiel- und Internetsüchtigen weiter verbessert werden kann“, sagte sie. Dazu sollen einheitliche Diagnose- und Behandlungsleitlinien eingesetzt werden. Außerdem bräuchte man „zielgenaue Präventionsarbeit“ und „gute und effektive Beratungs- und Behandlungsangebote“.
Zahlen zeigen, dass dieser Schritt in Zukunft nötig werden könnte: Neben den schon Abhängigen wird die Zahl der Gefährdeten momentan auf 2,5 Millionen geschätzt. Die Gefahren für Frauen und Mädchen lägen hierbei vor allem im Bereich sozialer Netzwerke, während bei männlichen Nutzern auch Onlinespiele eine große Bedeutung haben. Eine Begründung liefert Privatdozent Dr. Hans-Jürgen Rumpf von der Universität Lübeck: „Wir vermuten, dass Mädchen und junge Frauen besonders empfänglich sind für die Bestätigungen, die man in sozialen Netzwerken findet.“
Um genaueres über die Sucht herauszufinden, hat das Bundesministerium für Gesundheit mittlerweile eine Folgestudie angeordnet, die PINTA I ergänzen soll.
Da vor allem Jugendliche suchtgefährdet sind, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BgZA) eine Info-Broschüre für Eltern herausgegeben. Sie kann im Internet bestellt und eingesehen werden. (KB)

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