Kritik Anne Will

Sein oder nicht sein: Wie geeignet ist Steinbrück als Kanzlerkandidat?

Hamburg, 15.11.12 – Fakten oder Emotionen? Auch das hätte ein Titel für Anne Wills Diskussionsrunde am 14.11. sein können. Drei Journalisten und zwei Politiker wagten sich in einen Kampf, der kein wirkliches Ende nahm.
„Im Gegensatz zu Jogi Löw treten wir mit unserem absoluten Traumteam an.“ Mit diesem Satz startete Anne Will den Abend. Das besagte Traumteam sollte beurteilen, wie geeignet der frühere Finanzminister für den Posten ist, den ihm die SPD im Oktober einstimmig übertrug.
Dass diese Frage nicht schnell geklärt sein würde, war sofort zu erkennen. Während Sportreporter Werner Hansch sich als Unterstützer Steinbrücks äußerte, wetterte „Spiegel- Online“- Kolumnist Jakob Augstein gegen den „Top-Kapitalisten“, der im nächsten Jahr gegen die „ostdeutsche Asketin“ antritt.
Natürlich widersprach da Matthias Machnig, selbst SPD-Mitglied. „Das ist ein Mann, der redet Klartext, und das brauchen wir!“ Bundestagsabgeordnete der Linken Sevim Dagdelen und Hans- Ulrich Jörges, Redakteur des Sterns, äußerten sich eher bedenklich. Jörges kritisierte alle Politiker, die neben dem Amt noch Geld scheffeln wollen. „Wir haben kein Nebenberufsparlament!“
Dazu wusste auch Frau Dagdelen etwas beizutragen. Nach der Betonung ihrer selbst als Vollberufsabgeordnete, stellte sie den Punkt auf den Prüfstand, Steinbrück habe ein besonders hohes Honorar aus der löchrigen Kasse der Bochumer Stadtwerke bezogen. „Sowas weiß Herr Steinbrück, wenn er wirklich so kompetent ist, wie Sie sagen“, kommentierte sie und verwies mit einem Fingerzeig auf Machnig.
Dieser erwiderte das Feuer und ließ sich dabei dazu hinreißen, neue Regelungen zu fordern: „Ich bin dafür, dass wir morgen ein Gesetz auf den Weg bringen, dass besagt, dass jeder seine Nebeneinkünfte offenlegen muss!“
Ein Wort gab das andere und so diskutierte sich das Traumteam durch die Sendung. Ob Steinbrück nun ein geeigneter Kanzlerkandidat ist, ist weiterhin ungeklärt. Anne Will kam übrigens kaum zu Wort. Eher wurde sie von den heftigen Impulsen ihrer Diskutanten überrumpelt.
Meinungssuchenden hätte es vermutlich mehr geholfen, objektive Meinungen zu hören, anstatt sich einem emotionsgeladenes Wortgefecht hinzugeben. (KB)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s