Whispering Willows

Schamanismus im Haunted House-Adventure

Ein junges Mädchen, ein Geisterhaus und eine besondere Fähigkeit. Das klingt nach einer guten Mischung für eine angenehm gruselige Atmosphäre. Night Light Interactive sorgte mit seinem erfolgreich über Kickstarter finanzierten Game 2013 und 2014 für einen freudigen Preisschauer in der Indie-Riege – und verknüpft eine coole Story mit angenehmem Gameplay. So simpel, dass man sich einfach nur freuen kann.

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Es gibt Spiele, die einen mitnehmen, ohne viel dafür anzustellen. The Vanishing of Ethan Carter ist so eins, total minimalistisch in seiner Ausführung und durch die visuellen Details und die Ruhe, die es ausstrahlt, dennoch perfekt für ein kleines Adventure zwischendurch. Ebenso verhält es sich auch mit Whispering Willows.

Elena Elkhorn ist ein junges Mädchen auf der Suche nach seinem Vater. Sie weiß, wo er sich befindet, aber nicht, ob er überhaupt noch lebt. Als sie mitten in die Katakomben eines alten Anwesens rauscht, werden ihr auf einmal die Kräfte bewusst, die sie dank eines alten Anhängers besitzt, der sich schon seit Generationen in der Familie befindet. Sie kann ihren Körper verlassen und als Geist mit verstorbenen Seelen sprechen, aber auch durch die kleinsten Lücken schlüpfen und Gegenstände bewegen, um ihrem körperlichen Ich zu helfen. So macht Elena sich rund um das Anwesen des reichen Wortham Willows auf die Suche.

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Genau wie der Plot ist das Handling des Spiels schnell erklärt. Das 2D-Adventure, in dem man Elena steuert, bietet nämlich nur sehr minimalistische Handlungsmöglichkeiten. Man bewegt sich linear durch das Haus und seine umliegenden Schauplätze, verschiebt den ein oder anderen Gegenstand oder öffnet Türen mithilfe der gefundenen Schlüssel. Kombinationsgabe ist gefragt, denn die Rätsel mögen im Nachgang recht simpel erscheinen, man muss seine Umgebung aber auch ganz genau im Auge behalten.
Als Geist hingegen wird man zur helfenden Hand. Denn es gibt auch Räume, die kann man gar nicht betreten – außer man schlüpft als kleine Flamme durch Rohre und Nischen. Körperlos unterwegs zu sein ist auf dem verlassenen Anwesen kommunikativer als als Lebende. Denn über die Jahre haben sich viele Seelen dort eingefunden, die einem nützliche Tipps geben oder zumindest interessanter Beischmuck sind.

Hartgesottene Horrorfans werden die blauleuchtenden Gesellen natürlich nicht gruselig finden. Auch wenn sie tatsächlich so abgebildet werden, wie sie verstorben sind. Im Garten findet sich zum Beispiel ein Herr, der sicher froh wäre, die eigene Kopfhaltung mit der des Fast-Kopflosen-Nicks tauschen zu dürfen. Der Comicstil verschafft ein wenig Linderung.
Und das ist vollkommen okay! Was einen im Verlauf zum Schaudern bringt, ist nämlich viel subtiler. Es geht nicht darum, den Geisterkönig in einem effektreichen Showdown zu besiegen. Stattdessen erfahren wir etwas über die Vergangenheit eines Ortes, an dem viel Leid geschehen ist und an dem sich die Toten an das Diesseits klammern. Doch gerade diese makabere Ruhe lässt das Herz von Zeit zu Zeit höher schlagen. Elenas Amulett kann auch Gefahren erkennen. Nicht nur der rote Schein des Schmuckstücks löst eine Erwartungshaltung aus, die einen  an das Spiel fesselt. Hinzu kommt vor allem der gelungene Sound, der die düstere Atmosphäre speist und die Schockerwartung in die Höhe treibt.

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Lang ist Whispering Willows allerdings nicht. Wer sich auch ohne Karte gut Gegenden einprägen kann und aufmerksam alle Hinweise sammelt und richtig deutet, kann in knapp vier Stunden die Story beenden – und auf der PS4 trotzdem einen Trophäenstand von 80% erreichen.
Wenn man sich die Gegebenheiten ansieht, wurde aber gerade dadurch  ein idealer Abschluss gefunden. Denn das Spielsystem lässt sich nicht ewig ausreizen. Sehr wichtig sind zum Beispiel die Notizen, die Elena auf ihrer Reise einsammelt. Sie kann so verschiedene Tagebücher komplettieren, nicht nur das von Wortham Willows persönlich, sondern auch das ihres Vaters. Und da die Handlungen in der Vergangenheit nur kurz angeschnitten werden, nimmt die Geschichte erst richtig Fahrt auf, wenn man sich in die Gefühle der Schreibenden einliest und ihre Motive versteht. Auch das Ende wird dadurch eine tiefere Bedeutung bekommen. Außerdem macht es einfach Spaß, sich die Gestaltung des alten Gemäuers anzusehen. Wer besonders aufmerksam ist, kann auch ein paar interessante Easter Eggs entdecken.

Whispering Willows ist also kein Horrorschocker. Es ist ein atmosphärisches Rätsel-Adventure mit einer erzählenswerten Geschichte, die vor allem die beeindrucken wird, die Spaß am Sammeln und Suchen haben. Das Spiel geht leicht von der Hand und schafft es trotz gemächlichen Tempos, Stimmung zu übermitteln. Eine Art minimalistisches Ghost Trick, um eine Brücke zu anderen Titeln zu schlagen. Wer sich gern mit Geisterthematiken und verlassenen Häusern beschäftigt, sollte sich Whispering Willows auf jeden Fall einmal genauer ansehen.

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