Die Witcher-Tagebücher: Tag 15

Im Fabelwald mit Isegrim

Wie angekündigt ging es zurück nach Skellige. Auch hier warteten noch einige Monster auf mich und sie alle hatten etwas an sich, das wunderbar in ein Märchen gepasst hätte – verharmlost natürlich. Der Tag war zwar kurz, doch vor allem meine letzte Bekanntschaft bereitete Geralt auf ein Mysterium vor, das das bisher vielleicht ausgeklügeltste im bisherigen dritten Teil war.

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Quelle: gamestar.de

Um mich einzustimmen, stromerte ich ziellos durch die Dörfer und entdeckte in Larvik den Dorfältesten namens Thorleif, der mich zu sich rief. So viel Eifer war ich gar nicht gewohnt, aber schön, dass man offenbar einen Hexer brauchte. Der Mann hatte im Endeffekt allerdings keine nützlichen Infos für mich. Ein Krieger aus dem Dorf (in Skellige hat jedes Dorf Krieger) war mit einem Jagdtrupp losgezogen, um das Monster zu töten, das sich in der Nähe des Ortes herumtrieb – nicht ohne Opfer zu bringen. Zwei Überlebende trieben in der Nähe der Taverne herum. Sie diskutierten über ihr Misslingen. Nicht, dass mir das etwas gebracht hätte. So wirklich wusste ich danach auch nicht, worum es sich bei der „Seltsamen Bestie“ handelte. Man konnte mir aber einen genauen Ort sagen, an dem ich weiter ermitteln konnte. Und dahin ging ich als nächstes.
Rund um einen Wagen an der markierten Stelle waren eine Leiche und Blutspuren zu finden, die Geralt auf eine Gruppe Nekker schließen ließen. Einige davon hatte ich ja nun auch schon erlebt, kleine Einsteins waren das nicht. Also musste es einen Anführer geben, der fähig war, strategisch zu denken. Die Hinweise führten zu einem Höhleneingang. Innen fand ich nicht nur die vorausgeahnten Nekker, sondern auch giftige Gase, denen mit Igni beizukommen war.
Diese Lektion hatte ich übrigens schmerzhaft lernen müssen. War ich anfangs einfach in der Hoffnung, zu überleben, durchgelatscht, hatte mich eine Fackel auf den richtigen Weg geführt. Diese explodierte aber in meiner Hand. Schade Schokolade.

Aber zurück zu dem geheimnisvollen Anführer. Er trug tatsächlich einen besonderen Namen, Hagubman, und war ein modifizierter Nekker-Krieger. Eigentlich kein Grund zur Sorge, doch seine Fähigkeit, sich einzugraben, und dabei kleine Bedienstete an die Oberfläche zu schicken, zog den Kampf in die Länge. Ob das der Grund war, dass ich mal wieder nur fünf Erfahrungspunkte bekam? Naja, das Monster war besiegt, ich hatte eine neue Trophäe und es gab einen Batzen Gold. Toller Anfang, oder nicht?

Meine Siegesserie wurde fortgeführt, als ich „Für Ruhm und Ehre“ kämpfen durfte. Nahe Larvik war eine weitere Höhle und davor standen zwei dösbaddelige Skelliger. Nichts gegen die Anwohner der Inseln, aber diese beiden waren wirklich sehr einfach gestrickt und etwas weltfern. Sie wollten die Nekrophagen in der Höhle töten und davon gab es allerhand. Ich durfte, da ich den Quest annahm, als Vorhut agieren, musste die beiden aber immer mal wieder beschützen, wenn sie kopflos in eine Monstermenge stolperten. Der Lohn war nicht groß, doch die beiden überlebten. Das war Aufgabe zwei von drei an diesem Tag. Das schöne dabei: Ich erreichte glorreich Stufe 21.

Auftrag Nummer drei brachte mich geradezu in die Welt der Sagen und Geschichten Skelliges. Die nordischen Lande hatten irgendwie etwas Wundersames an sich. Verschneite Höhen, Geschöpfe wie Sirenen, die wie in mythologischen Erzählungen Seemänner um den Verstand brachten. Ganz klar, das inmitten dieser Kreise auch ein Fluch angesiedelt sein musste. Den Auftrag dazu hatte ich am Anschlagbrett von – na? – Larvik ergattert. Er trug den Titel „Morkvarg“ und wer etwas Schwedisch kann, hat den Wolf im Schafspelz schon entdeckt. Der Gute sollte den Garten der Göttin Freya heimsuchen. Also schaute ich mir das Gottesdenkmal einmal an.
Einige Priesterinnen standen außerhalb des Gartens und beteten. Rein konnten sie ja schlecht. Als ich eine Dame namens Josta auf den Auftrag ansprach, wirkte sie geradezu schwermütig. Schon viele hätten es versucht, aber durch einen Fluch würde er immer wieder zurückkehren. Bevor Morkvarg ein Monster wurde, hatte er als berüchtigter Bandit mit seiner Truppe geplündert und gemordet und nicht einmal vor den Priesterinnen im Garten Halt gemacht. Erzpriesterin Ulve hatte ihn daraufhin verflucht. Und nun war er dazu verdammt, im Garten umherzustreunen.
Eine ähnliche Geschichte erfuhr ich auch von Tordar, einem Mann am Hafen. Er hatte die Tötung Ulves mit angesehen und konnte bezeugen, dass Morkvarg in seiner Ungeheuerform seine eigenen Männer verspeist hatte. Geralt wollte wissen, warum der Kämpfer nicht eingeschritten war, als der Bandit offenbar wehrlose Frauen angegriffen hatte. Er sei einfach ein Feigling, antwortete der kräftige Mann mit gefasster Stimme.

Als ich zum Garten reiste, sah ich erstmals die grausame Bestie. Ein Werwolf, wie vermutet, allerdings trug er noch Kleidung und mühte sich damit ab, etwas zu essen. Doch es gelang nicht. Auch das gehörte zum Fluch. Ich nahm den Weg über die Mauern des Gartens und knöpfte mir zuerst die vereinzelten Wölfe vor, die ihrem Kumpanen Gesellschaft leisteten. Dann ging es auf große Suche: Denn der Werwolf hatte sich über all die Jahre ein Versteck gesucht, das nicht so leicht zu erreichen war.
Ich ertappte ihn zuerst in einer Höhle, in der er sich selbst einen Gesprächspartner gebaut hatte – aus einer Rüstung und Knochen. Ramund antwortete zwar nicht, half dem Verfluchten aber offenbar beim Sinnieren. Ich wollte einfach mal ausprobieren, wie stark er war, nachdem ich die Info über eine Truhe in einem verschlossenen Haus erhalten hatte. Mit Verfluchten-Öl war nicht viel zu tun. Morkvarg wies mich netterweise noch daraufhin, dass er eh bald wieder da sei, bevor ich meiner Suche nach der Hütte nachgehen konnte.
Auf dem Gelände gab es zwei davon. Die erste, die ich fand, war komplett verschlossen. Von dieser hatte Morkvarg also gesprochen. Ich musste den Schlüssel finden und kam an ein Schleusensystem, bei dem sich immer eins von drei Toren öffnen ließ, je nachdem, wie ich die Hebel betätigte. Hätte ich besser aufgepasst, hätte ich mir einen Durchgang gespart: Ich musste an der rechten Schleuse lediglich in eine Höhle tauchen und fand dort meine Eintrittskarte ins Häuslein. Einen Schatz fand ich dort nicht, dafür aber ein Tagebuch. Es ist schwer zu glauben, dass ein Ganove dieser Zeit des Lesens und Schreibens mächtig war. Und dazu noch eher unwahrscheinlich, dass er als berühmt Berüchtigter brav Tagebuch führte. Aber wer kann schon alle Facetten eines Menschen ermessen?
In diesem Tagebuch erfuhr ich auf jeden Fall, dass ich betrogen worden war. Angsthase Tordar war einer von Morkvargs Männern gewesen.

Natürlich bedurfte dies der Klärung. Ganz freundlich redete ich auf den Mann ein, der mich am liebsten sofort angegriffen hätte. Nicht Priesterin Ulve hatte Morkvarg damals verflucht, sondern Tordar. Dass Unschuldige, Frauen und Kinder dahingerafft wurden, ging für ihn offenbar noch in Ordnung. Bei den heiligen Schwestern war dann Schluss. Durch ein Familienritual wusste er, wie er seinen Anführer zu einem Monster machen konnte. Eine Heilung war nur durch einen verfluchten Zahn möglich, den er mit dem Versprechen an mich abtrat, dass ich den Wolf, in welcher Gestalt auch immer, niemals aus dem Garten entkommen lassen würde.
Das würde ganz auf Morkvarg ankommen! Mein Weg führte mich wieder zum Schleusensystem und dieses Mal war die goldene Mitte die richtige. Vor mir lag die zweite Hütte. Als ich darauf zuging, waren Kratzspuren zu sehen. Innen hing ein einzelnes Bein an einer Kette. Sein Besitzer ließ nicht lange auf sich warten. All diejenigen, die auch nur ein wenig Mitgefühl besaßen, würden dies an jener Stelle auch für einen Fiesling wie Morkvarg empfinden. Die Geschichte, die er mit seiner krächzenden Stimme erzählte, war schrecklich. Wir wussten ja schon, dass er nichts Essbares zu sich nehmen konnte. Alles, was er versuchte, verwandelte sich in Staub. Aß er sein eigenes Fleisch, brannte es in seiner Kehle wie frischer Teer. Viele Männer waren bereits im Garten gewesen, um ihm ein Ende zu bereiten. Doch da er immer zurückkehrte, war es ein aussichtsloses Unterfangen. Als die letzten es gewagt hatten, ihn anzuketten, hatte er sich das eigene Bein abgebissen, um sie anschließend zu erledigen. Das erklärte die Skelette in der Hütte. Es war egal, was ich sagte: Der Wolf und ich kämpften ein weiteres Mal. Als er am Boden lag, überreichte ich ihm den Fluch-Zahn. Der Bann von „Im Wolfspelz“ war gebrochen.

Man sollte meinen, eine so langwierige Reinkarnations-Lektion hätte die Boshaftigkeit abgemildert. Doch vor mir stand ein bulliger, rachsüchtiger Mann, der sich direkt der nächsten Kneipe zuwenden wollte. Daher probierte ich eine unkonventionelle Methode. Ich hatte ihn gehen lassen, denn gegen eine Belohnung war nichts einzuwenden. Als er sich aber abwandte, verstaute ich das Schwert und erfreute mich an einem kleinen Faustkampf. Ich wollte nur mal sehen, was passiert.
Nun ja.
Morkvarg ließ sich nach einem Punch meinerseits nicht mehr besänftigen und ich hatte beide Aufgaben gelöst. Tordar war mir nicht böse, die Priesterinnen sahen die Aufgabe als erledigt, Morkvarg konnte keinem mehr schaden und sein Kontaktmann, der Geldverleiher in Novigrad, gab einen kleinen Teil seines Reichtums an mich ab. Hach. Es fördert nicht gerade die virtuelle Moral, wenn man für so kleine Gemeinheiten so reichhaltig belohnt wird.

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