Die Witcher-Tagebücher: Tag 4

Geralt und die Liebe

Nun wurde es endlich Zeit, der Story ein wenig zu folgen. Ich war an Tag 2 rasch aus Heidfelde geflohen, als mir Frost entgegenschlug. Doch die Suche nach Hendrik musste ja auch mal erledigt werden. Im Endeffekt stellte sie sich auch als viel harmloser heraus, als ich angenommen hatte. Wieder nahm ich die Rolle eines Detektivs ein. Gut, dass mir die Spurensuche immer noch so viel Spaß macht, wie bei der Brandstifter-Angelegenheit. Hendrik war ein ausgebildeter Spion, sodass er mir trotz seiner brenzligen Situation einige Hinweise bezüglich Ciri hinterlassen konnte. Seine Notizen gaben mir zwei Wege vor. Um sie zu finden, konnte ich zuerst den Blutigen Baron suchen, von dem anzunehmen war, dass er seinen eleganten Spitznamen nicht umsonst trug. Oder ich konnte mich am Süßigkeiten-Pfad entlang zu den Hexen im Buckelsumpf durchkämpfen. Ein Blick auf meine Nervennahrung wies den Weg.

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Quelle: CD Project

Leider sah es im Sumpf gar nicht so zuckersüß aus, wie ich es mir ausgemalt hatte. Holz statt Lebkuchen, nirgendwo bunte Bonbons. Ein ganz normaler Sumpf halt. Lediglich an kleinen Bäumchen rund um den Weg hingen ein paar Schleichen und bunte Sachen. Schade. Statt einer Hexe traf ich dann auf eine verwirrte ältere Dame und einen Haufen Kinder, der sie liebevoll als „Oma“ bezeichnete. Sie hütete die kleinen Waisen offenbar. Und während sie den frechen Wortführer der Gruppe erzog, spielte ich Verstecken. Die Frage, wer mir denn nun genau helfen sollte, stand einige Zeit im Raum. Bis ich von Hansi erfuhr. Der bestrafte Junge vertraute mir an, dass es sich dabei um seinen Freund handelte und Oma ließ vorher anklingen, nur er könne ihn sehen. Schizophrenie, Geisteskrankheit! Das musste es sein. Dachte ich.

Im Endeffekt kam natürlich alles anders. Hansi gab es wirklich. Und Oma verriet ihre eigenen Erziehungsprinzipien, indem sie zu ihrer Lüge stand. Der seltsame Knirps war sehr nützlich, denn er brachte die Dame nach einem kleinen Gefallen, bei dem ich während einer Kletterpartie seine in eine Flasche gesperrte Stimme zurückholte, dazu, mich endlich zu den Muhmen zu führen. Persönlich wollten sie sich mir allerdings noch nicht zeigen. Ich sollte erst einmal einen Fluch brechen, damit ich etwas Neues über Ciri erfuhr. Klar, dass ich da nicht Nein sagen konnte.
Was es letztendlich mit diesem Fluch auf sich hatte, kann ich selbst nicht genau erklären. Auf dem Flüsterhügel gab es eine Höhle, in der ich die verzauberte Präsenz treffen konnte. Sie war mit einem großen Baum verwachsen und bat mich darum, sie zu befreien, da den Kindern sonst etwas zustoßen würde. Zugegeben, das Etwas war mir ziemlich suspekt. Doch ich willigte erst einmal ein. Denn irgendwie waren die Muhmen, die ich bisher nur auf einem Wandteppich sehen konnte und die lediglich durch Oma gesprochen hatten, auch nicht besser. So sammelte ich alle Zutaten, die für den Erlösungszauber gebraucht wurden, inklusive der Gebeine des Wesens, bei denen Geralt nüchtern feststellte, dass diese nicht gerade menschlich aussahen. Nun wurde ich doch etwas unsicher. Mir stand das erste Mal seit der Greifenbelohnung eine schwere Entscheidung bevor. Nun hieß es Muhmen oder Baum-Geist. Warum sollte gerade das Etwas die Kinder retten können? Ich outete mich als Verräter und verweigerte dem Geist meine Mithilfe. Statt eines Kampfes fiel er einfach in sich zusammen und verdorrte. Bann gebrochen.
Dass die Kinder dann aber tatsächlich aus dem Dorf verschwunden waren, war doch etwas ernüchternd. Ebenso wie der Anblick der wahren Muhmen… Überzeugt euch selbst.

Hätte ich sie also doch retten sollen? Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass aus diesen wichtigen Entscheidungen nie alle als Gewinner hervorgehen können. Also verzichtete ich auf einen erneuten Anlauf aus Schuldgefühlen. Mit Ciri half man mir im Übrigen auch nicht, ich erfuhr lediglich, dass die Muhmen überlegt hatten, sie zu verspeisen. Kein Wunder, dass ich aus Hendriks Aufzeichnungen lesen konnte, dass sie sich mit einer Hexe gestritten hatte.
Es gab allerdings auch noch eine andere Sache, die mich plagte. Auf die Buckelsumpfspur hatte mich schließlich Keira Metz gesetzt, eine alte Bekannte von Geralt, die von Anfang an heißblütige Avancen machte. Ich war schon darauf vorbereitet, mit dem anderen Kartenspiel zu beginnen, das zumindest der erste Witcher-Teil beinhaltet hatte. Doch wie auch immer ich die Dialoge drehte: Geralts Zeit als Charmeur schien sich dem Ende zugeneigt zu haben. Das Gefühl hatte ich von Anfang an! Nicht einmal seine Flamme Yennefer zeigte sich in seinem Kaer-Morhen-Traum beeindruckt von netten Worten, eine andere Frau konnte ich bis zu diesem Zeitpunkt in kein Gespräch verwickeln. Als ich nach dem Quest mit Keira sprach, enttäuschte sie mich wieder. Statt einer eindeutigen Geste erhielt ich die Einladung zu einem weiteren Quest, der mich zwar auf Ciris Spur setzte, letztendlich aber wieder ’nur‘ mit einem harten Kampf belohnt wurde. Gegen die Wilde Jagd übrigens. Doch an den Überlegungen eines verunsicherten Witchers ändert das natürlich auch nichts.

Nach einer schweren Entscheidung und einer traurigen Erkenntnis gab es zum Ausklang erstmal wieder eine Runde Gwint. Wieder bestätigte sich: Heute war nicht unbedingt mein Glückstag. Ich stieß auf den ersten Spieler, gegen den ich einfach nicht gewinnen konnte.

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