Jörn Schubert, Neopera

Once I had a dream…

Sie sind eine frische Band. Sie kommen aus Hamburg. Und sie rocken! Bereits im Uniscene-Interview hat Jörn Schubert, Gründer und erster Gitarrist der Symphonic-Metal-Band Neopera, mir verraten, was seine Musik ausmacht. Doch wie kam es überhaupt zur Gründung? Und wer sind die Bandmitglieder, die sich seinem Traumprojekt anschlossen? Um das Nightwish-Zitat aus dem Titel zu Ende zu bringen: Jörn kann mit Recht von sich behaupten: Once I had a dream … and this is it!

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Jörn (Mitte) und seine Band Neopera

Katharina Börries: Jörn, in der Uniscene haben wir bereits über Eure Musik berichtet. Ihr vereint die beiden Seiten Klassik und Metal zu einer musikalischen Strömung und das Ganze war ein langgehegter Traum von Dir. Du hast gesagt, dies sei die Musik, die Du immer hättest selbst hören wollen. Doch wie kam es überhaupt dazu? Um Musik zu machen, braucht man eine Band. Und du hast einige Mitstreiter an deiner Seite. Beginnen wir doch mit Eurer Sopran-Stimme Nina.

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Nina Jiers sorgt als Sopranstimme für melodische Höhepunkte

Jörn Schubert: Ich habe 2010 im Frühjahr damit angefangen, die Sache ernsthaft umzusetzen. Und habe über alle Kanäle, die mir zur Verfügung gestanden haben, passende Sänger gesucht, weil das natürlich erstmal das Wichtigste war. Mir war klar, dass ich drei Stimmen brauchte, um diesen opernähnlichen Ansatz reinzulegen, den Dialog der zwei Seiten. Ich hatte Glück, dass sich auf meine Anzeigen viele Sängerinnen gemeldet haben und konnte so auch im Studio viele Demos aufnehmen und austesten. Und die Nina hat einen ganz besonderen Start hingelegt. Wir hatten uns getroffen, eigentlich nur zum Cappuccino-Trinken und Eisessen, waren aber in der Nähe von unserem ehemaligen Probenraum, in dem auch das Studio von Dark Age integriert war. Da hat sie gleich gesagt „Wir können doch mal rein und mal ausprobieren.“ Und dann sind wir einfach los! Sie hat sich hinter das Mikrofon gestellt, ich hab angemacht und dann hat sie die Sachen eingesungen, die sie schon vorab von mir bekommen hat. Das klang auf Anhieb perfekt. Sie hat einfach einen One-Take hingelegt: Einmal eingesungen, passte. Dadurch, dass sie auch meine andere Band Dark Age kannte und selbst Metal-Fan ist, war sie einfach die beste Wahl.

Als Ergänzung hast du zudem zwei Männer eingesetzt. Ebenfalls einen klassisch ausgebildeten Sänger und für die „dunkle Seite“, wie du beschrieben hast, einen Shouter. Was war denn dabei das Problem?

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Thorsten Schuck übernimmt den männlichen Klassik-Part im Bariton

Von Anfang an stand fest: Es gibt sehr wenige klassische Sänger und noch weniger, die wenigstens ein bisschen mit Metal zu tun haben. Ich habe vor allem im Szenen-Bereich viele Anzeigen machen können, Metalhammer, über die Dark Age Homepage etc. Da hat sich natürlich keiner gemeldet… (lacht)
Aber ich hatte eben das Glück, dass ‘ne andere Sängerin den Thorsten kannte und meinte, den solle ich mal anrufen. Das wäre einer, der sehr offen sei und zudem ein wundervoller Mensch, den könnte sie sich in der Rolle vorstellen. Er sagte natürlich: „Metal und Klassik? Kann ich mir gar nicht vortstellen.“ Er kannte Cannibal Corps usw. und dachte daher, das sei überhaupt nicht sein Ding. Aber ich konnte ihn davon überzeugen, sich das wenigstens zeigen zu lassen. Und anschließend war er dann auch total angetan. Er wusste nicht, dass Metal so viele Sparten hat und so viele Möglichkeiten bietet. Vom ersten Moment an war er Feuer und Flamme.
Mirko, unseren Shouter, kenne ich hingegen bereits sehr lange. Er hat einen ganz starken Wiedererkennungswert. Der schreit sich die Seele aus dem Leib und du verstehst trotzdem jedes einzelne Wort! Die Art und Weise, wie er das rüberbringt, ist so authentisch und auch vom Charakter her passt er wunderbar zu uns. Den stellt man auf die Bühne, der legt los und überzeugt einfach. Er meinte sofort: „Ich hör aber eigentlich viel härtere Musik und habe damit gar nichts am Hut. Zeig mal her, was du da vor hast.“ Da habe ich ihn zum Glück auch davon überzeugen können. Und dann war die Stammbesetzung geschafft.

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Bernhard Rigelsky sprang beim W:O:A-Auftritt als Shouter für den verhinderten Mirko ein

Es stand Dir also ein Grundgerüst aus drei Sängern und Dir als Gitarristen zur Verfügung. Du hast mir verraten, dass die Musik zu diesem Zeitpunkt schon im Ansatz fertig komponiert war. Aber das reichte natürlich nicht, um das erste Album zu produzieren. Wie kam es letztendlich zu Eurem Plattenvertrag?

Der erste Schritt in eine Bandrichtung war geschafft. Aber dann kamen die Gedanken an eine Plattenfirma. Wie wollten wir unser Album aufnehmen mit den Ansätzen, die wie so verfolgten? Das könnte man sich niemals irgendwie leisten. Also hatten wir vor, ein Image-Video zu drehen. Aber das hat sich dann im Laufe der Zeit wieder zerschlagen, weil es noch nicht authentisch rüberkam. Ich als einziger Instrumentalist, der zu sehen ist, und dann waren wir auch noch so blöd und haben ein Lied gewählt, in dem nur die klassischen Sänger auftreten, weil das mit Mirko noch nicht zu 100% fest war. Nein, so wollten wir uns noch nicht präsentieren. Dann hatte ich überlegt: Ach komm, ich nehme jetzt mein ganzes Geld und wir machen ‘ne EP, vier Songs, und nehmen die dann bei Eike, der Dark-Age-Sänger ist auch Produzent, auf. Der war damals in den Hammer Studios, wo auch Gamma Ray war. Ich habe ein gutes Angebot von ihm bekommen und letztendlich vier Songs ausgewählt, die die gesamte Spannbreite abdecken, um Neopera darstellen zu können. Das alles ist sehr gut gelaufen. Dirk, der Bassist von Gamma Ray, ist immer in den Studios rumgeschlichen und fand das, was wir machen, irgendwie total geil. Es gab dann auch ein Problem mit dem vorherigen Bassisten, der einspielen sollte, weil er es zeitlich einfach nicht geschafft hat. Und er kam direkt und hat gesagt: „Ich will das einspielen, das ist cool!“

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Dirk Schlächter (li) von Gamma-Ray und Mikis Trimborn ergänzen die Band an Bass und Gitarre

Dann ging alles recht schnell. Er ist zügig in die Band eingestiegen und dann war auch das mit Mirko fix. Wir fünf sind Neoperas Gesicht. Die vier Songs, die wir aufgenommen haben, haben wir dann relativ schnell auch durch viele Connections rumzeigen können.
Ich wurde sehr stark unterstützt, auch durch meine Kumpels von Dark Age. Der Schlagzeuger André hat das Demo eingetrommelt und mit den englischen Texten hat Alex, der Bassist, geholfen. Der hat da ein totales Händchen für. Ich konnte mich mit allen zusammensetzen und irgendwie war das Ganze dann auch eine große Dark-Age-Familie. Aber gleichzeitig war klar, dass es live zeitlich nicht möglich wäre. Doch da ich sowieso dachte, es wäre gar nicht schlecht, sich die Musiker drumherum etwas offen zu lassen, war das auch gar nicht so schlimm.

Ausschlaggebend für den Plattenvertrag war aber Max von Earmusic, einem Bereich von Edel. Er hat sich unsere Musik angehört und ist totaler Fan der Musikrichtung. Er meinte: „Das ist doch irgendwie mal Neues, sowas gibt es in dem Maße noch nicht.“ Da ist er voll drauf abgefahren. Und plötzlich hieß es dann: „Jörn, nimm mal ein ganzes Album auf, hier ist der Künstlervertrag, wir versuchen es einfach mal.“ Und das fand ich total mutig und wahnsinnig toll von Max. Ich habe mich nochmal hingesetzt und alles gegeben, was ich an Kosten und Zeit konnte, habe wirklich 18-Stunden-Arbeitstage gehabt bis zur Fertigstellung des Albums. Aber es hat sich, glaube ich, auch gelohnt. Also ich würde es immer wieder so machen. Vielleicht ohne Mega-Tinitus, aber ansonsten genau so.

Das Ganze hat sich auch wirklich gelohnt, immerhin konntet Ihr schon kurz darauf auf dem Wacken Open Air spielen. Euer Debütalbum „Destined Ways“ erschien am 10. Juli. Bereits am ersten Augstwochenende fand wie gewohnt das Festival statt. Wie kam es denn zu Eurem Auftritt?

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Bei ihrem Auftritt war das Zelt gut gefüllt!

Reines Glück. Bisher kannte uns ja niemand. Die Platte nahm viel Zeit in Anspruch, wir mussten eine Live-Band formen und unseren Proberaum haben wir im Vorfeld quasi auch von den Grundmauern her aufgebaut. Die Plattenfirma hatte vor, uns direkt auf Tour zu schicken. Aber es muss erst alles stimmen. Man sollte auf einem kleinen Konzert testen, wie man sich darstellen möchte. Sowas braucht Zeit. Wir haben im Proberaum einige kleine Konzerte für die Plattenfirma gespielt, ein offizielles im Warehouse und die Plattenfirma sagte: Gut, das funktioniert. An dieser Stelle gab es auch den nötigen Einfluss, uns auf dieses Festival zu bringen. Das ist schon als Promotion-Gig anzusehen. Es geht natürlich nicht, dass man als totaler Newcomer mit unbekanntem Namen bei ICS anruft und fragt: „Joa, wollt ihr uns haben? Wär doch geil!“ Da sagen die auch Nein.
Aber so wie es war, war es einfach das beste, was uns passieren konnte.

Ich war anfangs sehr überrascht, dass Eure Formation noch so jung ist und bin sicher nicht die einzige, die gerade deswegen nochmal etwas genauer hingehört hat. Es gab ja diesen Moment, in dem Moment Nina eine CD ins Publikum werfen wollte und sie doch etwas weiter an die Seite schmiss, als geplant. Da war wenigstens ein bisschen Aufregung sichtbar. Ansonsten habt ihr Euch nichts anmerken lassen. Trotz leichtem Lampenfieber. 

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Nina und Thorsten lieferten eine gesangliche Superleistung

Da bin ich auch echt glücklich drüber. Nina und Thorsten haben keine Erfahrung mit solchen Auftritten, das war bis auf einige Gastauftritte von Ninas Seite völliges Neuland. Deswegen bin ich von der Leistung sehr positiv beeindruckt, das haben die echt toll gemacht. Wir müssen natürlich die Erfahrung sammeln, das geht nur so: Konzerte en mass spielen. Das war dann auch eine schöne Bestätigung. Es gibt Menschen, die das interessant finden, das Zelt war zum Glück nicht leer. Und sie haben sich das gern angehört und ein tolles Feedback an uns zurückgegeben. Ich glaube, das war jetzt ein toller Start, um alles abzuchecken.

Von Eurer Seite hätte es nicht viel besser laufen können. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Leute echt gut mitgegangen sind.

Wir haben so viel Publikum nicht erwartet. Wir haben natürlich Werbung gemacht, in den Magazinen wurde es etwas größer angekündigt, über Facebook und andere Websites. Aber dass die Leute da so genau hingehört haben, war super.

Was ist denn als nächster großer Schritt geplant? Ein Tourstart? Ein neues Album?

Wir müssen auf den Konzerten erst einmal klein anfangen und natürlich auch auf das Budget achten. Am Anfang wird es noch nicht so viel sein, aber wir können darauf aufbauen, um irgendwann wirklich großartige Szenarien aufzuführen.

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Bei Jörn steht Abrocken auf der Tagesordnung

Und dann geht es natürlich darum, die Band zu formen, zusammenzuwachsen. Wir werden uns mit der Konzertagentur All Access mal zusammensetzen. Bei der Koordination müssen wir wegen Dirk auch Gamma-Ray im Blick behalten, wenn man in derselben Konzertagentur ist, ist das nur von Vorteil. Außerdem versuchen wir, noch diesen Herbst oder Winter eine zwei-, dreiwöchige Konzerttour auf die Beine zu stellen. Natürlich ist es sehr kurzfristig und es kann daher nichts versprochen werden, aber wir geben unser bestes. Ich bin schon seit längerem wieder dabei, das neue Album zu komponieren. Die Demos dazu sollen natürlich auch so schnell wie möglich aufgenommen werden, um dann um einiges fokussierter an die Orchesterarrangements heranzugehen. Es wäre natürlich leicht zu sagen: Wir machen Heavy Metal und los geht’s. Aber es ist doch um einiges komplizierter.

Ich habe mit den Kompositionen begonnen, als das erste Album gerade fertig war. Und so sollte es auch weitergehen. Aber das wichtigste ist erstmal, genug Möglichkeiten zu finden, gute Konzertshows zu spielen. Und wie sich das genau entwickeln wird, wird sich dann zeigen. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir mit unserem perfekten Team aus Top-Leuten noch eine tolle Zeit vor uns haben.

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Neopera erlebten einen tollen Auftritt auf dem Wacken Open Air (von links: Mikis Trimborn, Thorsten Schuck, Dirk Schlächter, Jörn Schubert, Thorsten Harnitz, Nina Jiers, Bernhard Rigelsky (für Mirko Gluschke))

2 Kommentare zu “Jörn Schubert, Neopera

  1. Pingback: Hamburg Konzerte im Januar 2017 – backstagereport

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