Vorkassenbetrug: Schwindel über Online-Wohnungsportale

Tausche Geld gegen Enttäuschung – Das böse Spiel mit Billig-Wohnungen

Tagtäglich suchen gerade in Großstädten wie Hamburg viele Menschen eine passende Wohnung. Entscheidend sind dabei oft die Kosten, denn durch die Mietpreiserhöhungen und die ohnehin schon hohen Stadtpreise, wird es immer schwerer, etwas Passendes zu finden. Eigentlich klar, das Betrüger hier ihr Geschäft machen wollen.

Man weiß es und trotzdem läuft man Gefahr, darauf hereinzufallen. So ging es uns selbst erst in der letzten Woche.
Mein Freund und ich unterhielten uns generell über Wohnungen, in welchem Stadtteil von Hamburg wir gern leben würden. Altona-Altstadt wurde genannt. Abends saßen wir gemütlich zusammen und schauten interessehalber in Online-Portalen nach geeigneten Angeboten.
Erste Anzeige: 57 m^2 Wohnung in Altona-Altstadt, wunderbarer Grundriss, tolle Lage, 300 Euro.
Wir sahen genauer hin. 300 Euro INKLUSIVE Nebenkosten. „Das ist ein Fake“, meinte er sofort. Gut, dachte ich, wahrscheinlich. Aber probieren sollte man es. Also schickte ich einfach eine Kurznachricht, in der wir nach einem Besichtigungstermin fragten.

Am nächsten Tag kam folgende Antwort:

„Hello,
Sorry for my late response, but I’m in London (United Kingdom) right now, and I have been very busy at work. Anyway, thank you for your interest in renting my apartment. The price of the monthly rent is 300,00 EUR (the price includes utilities costs) . I own the apartment and i left with my work for a 5 years contract in United Kingdom, so I decided to rent it. The apartment is in perfect condition, no need for additional repairs what so ever.
So, if you are interested in renting my apartment, please email me back for more details.
Best regards,
Laura Kerber“

Oh mein Gott, vielleicht ist doch alles echt! Mein Freund war arbeiten, also schrieb ich sofort eine Nachricht. Schade, dass die Vorsicht vom Vortag nun kaum noch vorhanden war. Ein paar Sätze später hatten wir alles ausgetauscht, was in unsere Rückantwort sollte. Wir wollten so schnell es ging alle nötigen Infos von ihr bekommen und entschieden daher, ein wenig über uns zu erzählen; zum Glück nur Allgemeines wie zB Berufsbezeichnung, Studiengang, Alter. Wir gingen schließlich von einer echten Anzeige aus und wollten daher von Anfang an klären, ob wir als Mieter in Frage kommen würden (junges Paar, Ausbildung/Studium). Email kontrolliert, nichts vergessen, jetzt könnte man absenden.
Erst dann erwachte wieder erstes Misstrauen. „Ich würd mir das ja echt gern mal angucken, kann mir das eigentlich nicht vorstellen“, schrieb mein Freund kurz darauf. Wir erklärten es uns damit, dass die Besitzerin ja nur befristet jemanden zur Untermiete suchte und offenbar genug Geld hatte. Denn für den Preis würde diese Wohnung auf normalem Wege nie vermietet werden!
Als ich mir die Anzeige noch einmal genauer ansehen wollte, Überraschung: Nicht mehr verfügbar. Gedanklich schon im siebten Himmel hielten wir das für weniger wichtig. Garantiert hatte Laura schon eine Menge Nachrichten erhalten oder die Anzeige sogar für uns rausgenommen. Dass die Wohnung möglicherweise vom Portal selbst entfernt worden war, war durch nichts zu erkennen. Weder ein Vermerk, noch eine Nachricht des Portals an uns, dass wir gerade mit Betrügern zu tun hatten.
Abends suchten wir noch einmal nach Details im Internet. Wenn Laura so „busy“ war, konnte sie natürlich nicht gleich antworten. Wir fanden die gleiche Wohnung wie „unsere“, gleiche Adresse, anderes Stockwerk, allerdings für ca. 900 Euro warm. Das Dreifache für die offensichtlich baugleiche Wohnung? Laura würde es uns sicher erklären können.

Am nächsten Tag kam einfach keine Antwort, bis ich schließlich den Spamordner blinken sah. Wir waren total aufgeregt, hatten wir doch die ganze Zeit schon etwas im Postfach!

„Hello,
You can rent the apartment for min. 2 months and max. 5 years but we can renew the contract. The apartment is fully furnished, but if you want, you can rent it unfurnished. 
As I told you in my first e-mail, I am in UK with my work right now. Before leaving Germany I had prearranged the deal with Airbnb Company so my presence in Germany isn’t necessary. The keys and all needed papers are in their possession, ready for delivery. You will have 3 days to inspect the the apartment before rent it. Airbnb will start the delivery for the keys and the contract to you, but first you must deposit the value of 2 rental months (600 euro) in their account. So if you want to make this deal please login to the http://www.Airbnb.com website, and after that please send me the following details:
 
Full name and address
Shipping address
Airbnb username
 
After I’ll receive your details I will forward them to Airbnb  and I will proceed the order. Airbnb will contact you with all the details that you need, to complete this deal. Waiting your email with the requested details.
Best regards,
Laura Kerber“

Begeisterung machte sich nicht unbedingt breit. Anscheinend stellten alle Interessenten dieselben zwei Fragen, da die Mails von Laura immer die gleichen waren, wie wir später in verschiedenen Foren herausfanden. Wie lange könnte man die Wohnung mieten? Wie käme es zu einer Besichtigung?
Was mich wunderte war, dass ich einerseits auf die entfernte Anzeige hingewiesen und zudem vorgeschlagen hatte, zu skypen, damit wir uns einmal persönlich sehen konnten, ohne dass darauf eingegangen wurde.
Wir waren empört darüber, 600 Euro im Voraus für etwas bezahlen zu sollen, was wir noch nicht einmal gesehen hatten. Vor allem war die Anzeige nicht einmal im Airbnb-Portal zu finden.
Diese Vorabbezahlung meinen Freund so stutzig machte, dass er beschloss, Laura Kerber zu googlen. Es gab Bilder und Accounts von vielen Lauras, vor allem aber gab es auch viele Einträge bezüglich der Stichworte „Betrug, „London“, „Airbnb“, „Wohnung“.
Nun war nicht mehr zu verleugnen, dass die anfängliche Fake-Annahme richtig war.

Ich habe das Thema im Blog verarbeitet, da ich während der Wohnungsgeschichte nebenbei meinen Blog auf die Beine stellte. Mein Freund schlug vor, gleich fachmännisch investigative Recherche zu betreiben. Eine geniale Idee, die ich sofort in die Tat umsetzte.
„Laura“ hat noch eine Mail von uns bekommen.
Leider hat sie noch nicht darauf geantwortet

Ich möchte hiermit noch auf zwei Blogs hinweisen, auf denen weitere Alias-Namen vermerkt sind:

https://wohnungsbetrug.wordpress.com

http://wohnungsbetrug.blogspot.de/2013/01/alias-laura-kerber-laurakerber00gmailco.html

Nachtrag: Nun hat das Portal, in dem die Anzeige aufgegeben wurde, sich doch bei uns gemeldet, um uns vor Betrug zu warnen. Doch ich bin sicher, der ein oder andere hätte bereits seine Daten herausgegeben. Auch ein guter Ansatz für einen Bericht: Wie lässt sich das System optimieren?

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