Sister Act

Wenn Nonnen in die Puschen kommen

Nicht einmal zwei Jahre verbrachte das Muscial „Sister Act“ in Hamburg, bevor es Ende 2012 nach Stuttgart umzog. Anscheinend brachte die Produktion Stage nicht den gewünschten Erfolg ein. Doch was ist der Grund dafür, dass die peppigen Schwestern, die an die verfilmte Komödie aus dem Jahre 1992 anknüpfen, in Hamburg nicht jeden Abend genügend Plätze füllten? Über die Qualitäten und Unzulänglichkeiten eines Familienstücks.

SISTER ACT - Musical von Stage Entertainment

Die erfolglose Bar-Sängerin Deloris van Cartier sucht den Weg an die Spitze der Musikwelt. Leider gerät sie dabei an den Ganoven Vince LaRocca, der nicht nur ihr Liebhaber, sondern auch ihr Boss wird. Als sie nach einem Auftritt unverhofft Zeugin wird, wie Vince einen Mord begeht, will er sie kurzerhand ebenfalls umbringen lassen. Was folgt ist ein Zeugenschutzprogramm der Extraklasse: Leutnant Eddie Souther lässt die aufgedrehte Disco-Püppi als Schwester Mary Clarence in einem Kloster verschwinden. Die Konventionen prallen aufeinander. Und auf einmal kann auch aus fügsamen Nonnen ein verrückter Hühnerhaufen werden.

Musicals werden oft als leichte Unterhaltung angesehen. Nicht so schwer wie eine Oper, nicht so tiefgründig wie klassisches Theater. Eher wie ein Disney-Film, der beschwingt und verzaubert. Und ja, als leicht kann man dieses Stück in jedem Fall bezeichnen. Die Dramatik des Storyanfang kommt in der bunten Glitzerwelt von Deloris gar nicht auf. Stattdessen geht es auf der Bühne fröhlich zu. Auch die Gangster tanzen und lachen, haben später sogar den wortgewaltigsten Auftritt des Stückes und bilden nur drei der Charakterrollen, die voller Witz über die Bühne huschen. Gerade dieser Witz ist es, der Schreckmomente und Bangen verhindert, auch, wenn der skrupellose Gangsterboss seiner geflohenen Ex-Geliebten gerade eine Waffe an den Kopf hält. Man weiß: Irgendjemand wird sie retten. Doch wer? Vielleicht die dusseligen Ganoven, die sich selbst die meisten Schwierigkeiten machen? Die Nonnen, die sich singend auf ihn stürzen? Oder doch der schüchterne Polizist, der sich in guter alter Musicalmanier zum Held mausern wird?

Die bekannte Geschichte über den Kulturschock einer Sängerin und eines ganzen Klosters ist eine Komödie. Daher ist es klar, dass das Augenmerk auf Wortwitz und Situationskomik liegt. Weder wird man zu Tränen gerührt, noch krallt man sich in seinen Sitz, weil es unerträglich spannend ist. Doch was jetzt erst einmal negativ klingt, ist gar nicht so gemeint: Obwohl es typischen Musicals widerspricht, nicht alle emotionalen Seiten anzusprechen, kann auch eine Spezialisierung große Wirkung erzielen. Sister Act spielt seine Stärke dadurch aus, subtile Impulse zu setzen. Alle Figuren haben an ihrer Vergangenheit zu knabbern. Doch das Mitleid wird durch das Lachen verdrängt, das aufkommt, wenn sie sich selbst auf die Schippe nehmen. Verfolgungsjagden sind spannend. Doch wenn Nonnen und Ganoven sich dabei gegenseitig erschrecken und umrennen, verlieren sie ihre Dramatik. Der Witz dominiert eben jede Situation.

Sister Act ist nichts für die, die aus einem Stück herausgehen, um noch viel darüber nachzudenken. Es wird auch die nicht ansprechen, die gekommen sind, um in ein Wechselbad der Gefühle einzutauchen.
Wer aber einen beschwingten Abend erleben will, verziert mit einem immer stärker werdende Ensemble und einer Hauptdarstellerin, die mit Soul und Esprit durch den Abend führt, der ist bei der „himmlischen Komödie“ am richtigen Ort.

SISTER ACT - Musical von Stage Entertainment

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