Nightwish, 03. Mai 2012

Der Vorhang fällt – Manege frei für Nightwish

Ein zerrissener Behang ist das erste, was auf der Bühne zu sehen ist, die in wenigen Augenblicken Schauplatz des Auftrittes einer der bekannten finnischen Bands unserer Zeit werden soll. Als auf einmal ein Lichtkegel auf den Überresten des Stoffes erscheint, bricht Jubel in der O2-World aus. Der Schatten eines Mannes im Schaukelstuhl erscheint, begleitet von den zarten Tönen einer Spieluhr. Wie auf dem Album „Imaginaerum“ eröffnet Sänger und Bassist Marco Hietala mit „Taikatalvi“, auf deutsch Wintermagie, einen Abend voller Geschichten. Es ist das Wiedersehen mit einer Band, die 2008 ihr letztes Konzert in Hamburg gab, sich mit ihrem 7. Album neu erfindet und genau weiß, wie es das Publikum verzaubern kann. Storytime in der Hansestadt.

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Die Imaginaerum-World-Tour ist riesig. Nach dem Start in Los Angeles am 21. Januar treten die Finnen nun seit März in ganz Europa auf. Kein Wunder also, dass sich zum Anheizen der Menge gleich zwei Support-Acts die Ehre geben.
Nach dem doch recht sanften Einstieg der jungen deutschen Streichkombo „Eklipse“ folgen Landsleute des Hauptacts in Form von „Battle Beast“, einer Heavy-Metal-Band, die sich seit dem Sieg beim W:O:A-Nachwuchswettbewerb „Wacken Metal Battle“ im Jahr 2010 einen Namen macht. Der Umschwung vom instrumentalen Klang der Streicher zur durchschlagenden Stimme von Sängerin Nitte Valo weckt und schärft die Sinne für das, was noch kommen wird: Den Mix aus beiden Supportelementen – Symphonische Klänge und Stimmen, die in Traumwelten entführen. Denn nichts anderes ist Imaginaerum, entsprungen aus der Fantasie von Songwriter, Keyboarder und nicht zuletzt Nighttwish-Bandleader Tuomas Holopainen.

Toni B. Gunner : mondkringel-photography.de

Toni B. Gunner / mondkringel-photography.de

Als der Vorhang fällt, beginnt die Show. Die nächsten zwei Stunden sind gefüllt von verschiedensten Klängen, Pyrotechnik und dem riesigen Karussell, das auf der Videowand  gezeigt wird. Denn: Die Klangpalette von „Imaginaerum“ ist groß. Holopainen kreierte es nicht nur als weiteren Meilenstein der Bandgeschichte, er wagte damit auch etwas Neues. Was es ist erwartet uns voraussichtlich Ende des Jahres. Ein Film, aufbauend auf der Musik von Nightwish. Diese Tatsache erklärt, wie es zu dieser Bandbreite an Klangwelten kam, die Sängerin Annet Olzon souverän präsentiert. Die Sängerin wurde 2007 im Rahmen einer Bandumstellung gecastet, arbeitete bereits am vorigen Album „Dark Passion Play“ mit. Gesanglich verstärkt durch Hietala begleitet sie die Zuschauer nicht nur ins Imaginaerum, sondern auch zurück in die Vergangenheit, als sie typische Klassiker interpretiert, die vor ihrer Bandzeit entstanden, zum Beispiel „Nemo“ oder „Come cover me“.

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Toni B. Gunner / Mondkringel-Photography.de

Doch gerade hier sehen viele vor allem alteingesessene Fans eine Grund für Kritik. Denn das Annett keine Tarja Turunen ist, war schon nach dem 2007er-Album klar. Ihr fehlt die klassische Gesangsausbildung ebenso wie die kraftvolle Stimme, die die ehemalige Sängerin, die seitdem als Solokünstlerin tätig ist, durchaus besitzt. Ozon muss neu interpretieren, was die Fans liebten, und stellt sich damit einer Sisyphos-Aufgabe. Mit ihrer hellen Stimme kann sie andere Akzente setzen, wackelt aber auch gelegentlich, wenn sie sich an alten Werken versucht. Das Publikum klatscht an diesem Abend aber auch die kleinen Ausrutscher weg. Die Stimmung in der O2-World wird durch nichts getrübt.

Das Ende des Abends ist gleichzeitig auch das Ende einer tollen Performance. Die fünf Bandmitglieder zeigten sich durchweg als harmonierende Gruppe, große Pannen blieben aus. Wer nach dem Konzert fragt, wird den Gesichtern der Anwesenden zu urteilen hauptsächlich Gutes hören.
Hamburg stand am Anfang der Imaginaerum-World-Tour. Nach einem erfolgreichen Auftritt in der Hansestadt ist den Finnen sehr zu wünschen, dass auch der Rest der Welt sie mit so offenen Armen empfängt – seit 2007 auch ohne Opern-Touch.

Metal-trails.de : arne kowalewski

Arne Kowalewski / Metal-Trails.de

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